Teichputz

 

Der Sommer geht so langsam dem Ende zu und der Gartenteich sieht nicht mehr ganz so schön aus wie im Frühling. Die warmen Temperaturen haben dafür gesorgt, dass das Pflanzenwachstum im Teich und darum herum explodiert ist. Speziell im Wasser haben Teichpflanzen und die verschiedenen Algenarten ein oft undurchdringliches Geflecht gebildet, das dafür sorgt, dass man kaum noch etwas vom Wasser sieht.  Für den außenstehenden Betrachter sieht es so aus, als würde sich das Leben im Teich so langsam in die Winterruhe begeben, auch wenn noch jede Menge Libellen umherschwirren. Die meisten Amphibien haben schon im Frühjahr abgelaicht und ihre Nachkommen sind in dem Pflanzengwirr nicht mehr zu erkennen. Als ordnungsliebender Mensch ist man jetzt versucht, mit dem Kescher die Faden- und Grünalgen zu entfernen und zumindest wieder etwas freie Wasserfläche zu schaffen. Doch hier ist Vorsicht geboten: Viele Amphibienlarven haben ihre Entwicklung noch nicht abgeschlossen und verstecken sich in eben diesem Algengewirr. Für unsere einheimischen Molcharten geht die Paarungszeit bis in den Juni hinein. Das bedeutet, dass es selbst im September noch viele kleine Molchlarven gibt. Fischt man nun mit dem Kescher die Algen ab, dann fallen diese unweigerlich der Säuberungsaktion zum Opfer. Im aufgesammelten Algenmatsch sind die nur wenige Millimeter großen und teilweise fast durchsichtigen Minimolche oftmals nicht zu sehen. Aus diesem Grund sollte man den Inhalt der ersten Kescherversuche genauestens untersuchen. Befinden sich noch kleine Larven, wie die im Bild, zwischen den Algen, dann muss die Teichreinigung noch um zwei bis drei Wochen verschoben werden. Dann sind die Larven größer und können damit auch besser erkannt und assortiert bzw. wieder in den Teich zurückgesetzt werden. So ein Teichputz ist jedoch immer ein rabiater Eingriff in einen bestehenden Lebensraum. Es sollte deswegen nicht zu aggressiv vorgegangen werden. Idealerweise „putzt“ man immer nur den halben Teich und lässt die andere Hälfte ruhen oder reinigt diese nur oberflächlich. So oder so, ein Gartenteich ist ein künstliches Biotop, welches auf ein gewisses Maß an Pflege angewiesen ist. Tut man über Jahre hinweg nichts, dann verliert der Teich irgendwann seine Funktion. Durch die abgestorbene Pflanzenmasse bilden sich Faulgase und Schlamm. Der Teich verlandet,  und irgendwann bietet er keinen Lebensraum mehr für die Tiere, für die wir ihn eigentlich angelegt haben. Vergleichbar mit einer Wiese, die ebenfalls regelmäßig - aber nicht zu mehr als zweimal im Jahr - gemäht werden muss, um ihre Funktion als artenreicher Lebensraum zu erhalten.

 

Im Bild drei kleine Minimolche Ende des Monats August, die beim Algenkeschern als „Beifang“ dabei waren.

 

 

Johannes Fink für LeO e.V.