Willkommen bei LeO, schön, dass Sie da sind!

Wir leben im Odenwald, genauer gesagt in Heiligkreuzsteinach und fühlen uns hier sehr wohl. Unser Verein möchte mit Informationen und Aktionen – wie dem Blühwiesenprojekt – rund um die uns umgebende Natur, mit Veranstaltungen, wie Themenwanderungen, Vorträgen u.v.m. einen Beitrag dazu leisten, den Odenwald lebenswert zu erhalten. Naturschutz liegt uns als Verein am Herzen, dazu gehört, dass wir uns dafür stark machen, die Höhenlagen des Odenwalds frei zu halten von Windindustrieanlagen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Seite Windkraft im Odenwald. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass wir über die Artenvielfalt berichten, interessante Artikel dazu finden Sie unter Wussten Sie schon. Termine unserer Veranstaltungen und des nächsten Stammtischs finden Sie hier. Last but not least, unseren Aufnahmeantrag und die Satzung finden Sie unter Materialien und Downloads.

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß auf unserer Seite.


 

Ein fliegender Edelstein – Der Eisvogel

 

 

 

Der Eisvogel ist ein etwa sperlingsgroßer Vogel mit einem gedrungenen Körper, kräftigem Schnabel und auffallend kurzem Schwanz. Sein Gefieder auf der Oberseite schimmert blau bis türkis, die Unterseite ist orangebraun. Für seine Fischjagd benötigt er klares stehendes oder langsam fließendes Wasser, welches im Winter eisfrei sein muss. Am Gewässer lauert er gerne auf Sitzwarten über dem Wasser, von denen aus er sich dann im Tauchstoß die Fische fangen kann. Seine Bruthöhlen legt er in Abbruchkanten mit weichem Boden an. Die Höhle, an deren Ende sich ein Nestkessel befindet, wird dann bis zu einem Meter waagerecht gegraben. Die Eisvögel haben 2-3 Jahresbruten mit 5-7 Jungen. In West- und Mitteleuropa kommen sie das ganze Jahr vor, im Osten nur zur Brutzeit. Durch Gewässerverschmutzung und Uferbebauung werden diese schönen Vögel vertrieben. Es gibt jedoch einen Wasserbaumeister, der dem Ganzen entgegenwirkt. Der Biber legt durch seine Dämme kleine Tümpel und Seen an, die einen Lebensraum für Fische und andere Tier- und Pflanzenarten und somit Futter für Eisvogel und viele andere Arten bieten.

 

 

 

Mit solchen künstlichen Nisthilfen wird versucht den Vögeln zu helfen.

Die Aufnahmen sind an der Enz im Naturpark Stromberg-Heuchelberg entstanden

 

Text und Fotos: Thomas Serafin

 

 


 

Der Dachs

 

Der Dachs zählt zur Familie der Marder und ist in Mittel- und Westeuropa mit einem Körpergewicht von ca. 15 Kilogramm der größte Vertreter dieser Art. Unverkennbar ist seine schwarz-weiße Kopfzeichnung, die sich bis zum Nacken hinzieht. Mit seinen langen gebogenen Krallen an den Vorderpfoten ist er prädestiniert für Grabarbeiten jeder Art. Seine Wohnbaue können über die Jahre hinweg riesige Ausmaße annehmen. Sie werden in mehreren Ebenen angelegt und haben oftmals auch so viel Platz, dass eine Fuchsfamilie als Untermieter einziehen kann. Diese Baue werden über Jahre, ja sogar über Jahrzehnte von Dutzenden Dachsgenerationen bewohnt und permanent erweitert. Im Gegensatz zu seiner Marderverwandtschaft ist er ein Allesfresser und muss keine Angst vorm Verhungern haben. Im Frühjahr stehen hauptsächlich Regenwürmer auf dem Speiseplan, aber auch Larven und Puppen von Insekten sowie Käfer und Schnecken. Mäuse, Kleinsäuger und auch mal ein Igel sowie pflanzliche Nahrung wie Knollen, Wurzeln, Obst, Beeren und Samen vervollständigen seinen Speiseplan. Zu Gesicht bekommt man den nachtaktiven Marder nur sehr selten. In der Regel dann, wenn er, wie im Bild, wieder einmal Opfer eines Verkehrsunfalls geworden ist. Dachs und Mensch haben seit alters her eine enge Beziehung zueinander. Ähnlich wie beim Murmeltier und dem Biber, wurde das Tier vom Menschen verwertet. Begehrt war z.B. sein Fett, welches in den mittelalterlichen Apotheken als Einreibemittel gegen rheumatische Beschwerden angeboten wurde. Seine mehr als zehn Zentimeter langen Grannenhaare waren und sind begehrt in der Trachtenmode sowie als Pinsel. Edle Dachshaarrasierpinsel kosten dann schon mal mehrere hundert Euro. Auch in der Mythologie hatte der Dachs seinen Platz. Sein Fell sollte, an den jeweiligen Gegenständen angebracht, Schaden abwehren. Sehr gelitten hat der Dachs unter der Begasung des Rotfuchses. Zur Tollwutbekämpfung wurde bis in die 70er Jahre dieses Verfahren angewendet, um den Rotfuchsbestand zu dezimieren und damit die Tollwut in Schach zu halten. Da beide Tierarten, wie oben erwähnt, sich oftmals einen Bau teilen, fanden so auch viele Dachse den Tod. Der Dachs zählt zum jagdbaren Wild. Jährlich werden mehrere 10.000 Tiere geschossen.

 

Johannes Fink für LeO e.V.

 


 Der Biber

 

Der Biber ist mit ca. 25 bis 30 Kilogramm das größte Nagetier Europas und das zweitgrößte der Welt. Nur das südamerikanische Capybara - auch Wasserschwein genannt - aus der Familie der Meerschweinchen ist mit mehr als 60 Kilogramm noch massiger. Kein Tier auf der Welt ist in der Lage, seinen Lebensraum so den eigenen Bedürfnissen anzupassen, wie der Biber. Das Motto des Bibers ist: „Was nicht passt, wird passend gemacht!“ Er ist in der Lage, innerhalb kürzester Zeit aus einem kleinen Rinnsal eine wahre Seenlandschaft zu schaffen. Sein Fleiß und seine Bauwut sind legendär.  Dabei kommt er ab und zu in Konflikt mit dem Menschen. Dieser findet es natürlich nicht so gut, wenn Wiesen und Felder durch die Staudämme des Bibers unter Wasser gesetzt werden. Auf der anderen Seite profitieren unzählige Tierarten durch die Landschaftsumgestaltung des Bibers. Wo zuvor das Wasser nur etwas dahinplätscherte,  gibt es jetzt große Wasserflächen, in denen sich alsbald Fische ansiedeln. Der angrenzende Lebensraum verwandelt sich in eine Auenlandschaft und zieht den Eisvogel, viele Wasservögel und zahlreiche Amphibienarten an. Wo der Biber baut, da explodiert die Artenvielfalt.

 

Der Biber war in Deutschland bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Sein dichtes Fell und ein vom ihm zur Fellpflege abgesondertes Sekret (Castoreum oder Bibergeil) wurde ihm damals zum Verhängnis. Letzteres fand seit dem frühen Mittelalter Verwendung als Arzneimittel. Mittlerweile streng geschützt, sind die im Rhein-Neckar-Kreis ansässigen Biber allesamt aus Bayern (die ersten Biber wurden dort in den 60er Jahren ausgesetzt) eingewandert. Langsam aber sicher breiten sie sich jetzt bei uns aus, sofern es etwa Wasser und Nahrung gibt. So ist z.B. der Neckar bereits komplett besiedelt. Der Biber ist ein reiner Vegetarier und frisst im Sommer und Herbst häufig Dinge, die der Landwirt anbaut. Beliebt sind Luzerne und Mais, aber auch Obst von Streuobstwiesen und schlußendlich der gesamte Baum. Gibt es in der Nähe des Menschen nichts zu fressen, dann zählen Weiden und Pappeln zu seiner Hauptnahrung. Hiervon frisst er die Rinde und die jungen Triebe. Sind Rinde und Triebe knapp, werden schon mal mannsdicke Bäume gefällt, um an die Äste zu gelangen. Da er keinen Winterschlaf hält, ist er längere Zeit damit beschäftigt, Vorräte anzulegen und unter Wasser zu deponieren. Eine Biberfamilie besteht aus Vater und Mutter sowie den Jungen vom aktuellen Jahr und dem Vorjahr. Das können bis zu zehn Tiere sein. Beim Anlegen seines Baus ist er flexibel. Ist die aufgestaute Wasserfläche groß genug, dann sieht man häufig die klassischen Biberburgen. Gibt es steilere Uferabschnitte, dann gräbt seinen Bau auch direkt in die Erde. Wichtig ist nur, dass der Eingang zum Bau unterhalb der Wasseroberfläche liegt. Durch diese Bauweise ist er vor seinen Feinden geschützt, die es allerdings bei uns nicht mehr gibt. Denn nur Luchs, Wolf und Bär können ihm gefährlich werden.

 

Johannes Finkfür LeO e.V.

 


 

Das Eichhörnchen

 

Den Eichhörnchen bei uns scheint es gut zu gehen. Das bei uns heimische Eurasische oder Europäische Eichhörnchen ist allgegenwärtig, wenn auch oftmals leider nur in überfahrenem Zustand. Gerade jetzt im Sommer bzw. Herbst fallen viele unerfahrene Junghörnchen dem Verkehr zum Opfer. Es ist die einzige bei uns natürlich verbreitete Eichhörnchenart und kommt in verschiedenen Farbvariationen vor. Neben der klassisch rot gefärbten Variante gibt es welche, bei denen ein Grauton dominiert, aber auch gänzlich schwarze Tiere sowie Farbzwischentöne sind anzutreffen. Allesamt gehören sie jedoch zu einer Art und sind nicht etwa zu verwechseln mit dem aus Nordamerika eingeschlepptem und etwas größeren Grauhörnchen, welches bei uns (noch) nicht vorkommt. Das robustere Grauhörnchen hat das einheimische rote Hörnchen z.B. in England fast komplett verdrängt. Der Grund ist unter anderem, dass das eingeschleppte graue Hörnchen ein Virus in sich trägt, das für das rote Hörnchen oft tödlich ist. Befürchtungen, dass sich diese Entwicklung auch auf dem Kontinent vollziehen könnte, haben sich bislang nicht bestätigt. Die Grauhörnchenpopulationen in Norditalien scheinen derzeit zu stagnieren. Eine wichtige Rolle kommt hier nämlich einem Hauptfeind der Hörnchen zu, dem (Baum-)Marder. Dieser ist in England fast nicht mehr anzutreffen, auf dem europäischen Kontinent aber weit verbreitet. Ironischerweise scheint es gerade der Marder zu sein, der dafür sorgt, dass sich das Grauhörnchen nicht weiter ausbreiten kann.  So haben sich die Eichhörnchen im Laufe der Koevolution an ihren Jäger angepasst, während die Grauhörnchen relativ leichte Beute zu sein scheinen. Die Forschungen sind hierzu noch im Gange und ein abschließendes Ergebnis bleibt abzuwarten. Eichhörnchen sind Kulturfolger und intelligent wie sie sind, haben sie erkannt, dass es in der Nähe der Menschen nicht nur Nahrung gibt, sondern auch meist sicherer als in der freien Natur ist. Im Bild hat sich eine Eichhörnchenmutter einen Nistkasten für die Jungenaufzucht ausgesucht. Sie selbst ruht sich gerade mal aus.

Johannes Fink

 



Neues Projekt in 2021: Infotafeln

LeO e.V. beleuchtet in dieser kleinen Artikelserie die Themen Arten-, Umwelt, Natur- und Klimaschutz und wie sie zusammenhängen.

Im ersten Teil beschreiben wir die Entstehung der Artenvielfalt in Deutschland und welchen Einfluss der Menschen darauf hatte.
Wohl noch nie war das Bewusstsein in der Bevölkerung für Klima-, Umwelt-, Natur- und Artenschutz so ausgeprägt wie momentan. Umweltschutzverbände, Parteien und sogar Industrieunternehmen bekennen sich in nie gekannter Einigkeit zu diesen Zielen. Kein Gesetz und kein Projekt ist heuer durchführbar, steht es nicht irgendwie im Einklang mit obigen Schutzmaßnahmen. Über allem thront jedoch der Klimaschutz, der - so die Annahme - alle anderen Ziele automatisch mit abdeckt: Wer das Klima schützt, der betreibt automatisch auch Arten-, Umwelt- und Naturschutz. In dieser kurzen Artikelserie versuchen wir deshalb, die einzelnen Schutzmaßnahmen und ihre Auswirkungen zu analysieren, und legen dabei den Schwerpunkt auf die Artenvielfalt bzw. den Rückgang der Populationen bei Wirbeltieren und Insekten in den letzten Jahrzehnten.

Zuerst ist festzustellen, dass fast alle der in Mitteleuropa derzeit existierenden Tier- und Pflanzenarten nach der letzten Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren aus den östlichen (Warm-)Steppengebieten eingewandert sind. Ein großer Teil Deutschlands war damals von einem Eispanzer bedeckt. Von Norden erstreckten sich die skandinavischen Gletscher bis zur Mitte Deutschlands und von Süden her wuchsen die Alpengletscher bis weit in den süddeutschen Raum hinein. Nur ein Streifen südlich der Mitte Deutschlands war eisfrei, allerdings herrschte überall Permafrost. Fast alle Tier- und Pflanzenarten starben aus, da sie wegen der Alpen- und Pyrenäenbarriere nicht nach Süden und wegen den Karpaten nicht nach Südosten ausweichen konnten. Auf dem amerikanischen Kontinent und in Asien hingegen gab es diese Barriere nicht. Hier konnten sich Tiere und Pflanzen weit nach Süden zurückziehen und, als es später wieder wärmer wurde, in Richtung Norden ausbreiten. Aus diesem Grund gibt es z.B. im Kaukasus zehnmal mehr Baumarten, als in Mitteleuropa.
Die große Mehrzahl der Lebensräume dieser eingewanderten Arten ist eng vom Menschen bzw. von der intensiven (nicht zu verwechseln mit der heutigen industriellen!) landwirtschaftlichen Nutzung durch den Menschen geprägt. Viele Äcker und Felder waren oftmals sandig und karg und boten damit die Grundlage für ein Pflanzen- und Tiereldorado. Fast das gesamte Land war geprägt durch den menschlichen Eingriff und damit nicht natürlichen Ursprungs. Zu den wenigen natürlichen Ausnahmen zählen z.B. Moorlandschaften, Wald und  Gewässer. Durch Waldrodung und Schaffung von Acker- und Grünflächen hat der Mensch praktisch jeden Quadratmeter Land genutzt und auch ausgenutzt.  Die Landwirtschaft hielt die Landschaft von Verbuschung und Bewaldung frei. Dem Boden wurde jahrhundertelang mehr Stickstoff entzogen als durch Düngung hinzugefügt. Aus heutiger Sicht würde man sagen, der Mensch hat den Boden und das Land ausgebeutet. Ließ der Ertrag nach, dann zog man weiter und fing anderswo von neuem an.

Da Land jedoch begrenzt war und die Bevölkerungszahlen stiegen, musste man sich andere Möglichkeiten der Bewirtschaftung einfallen lassen. Mit der Sesshaftwerdung entwickelte sich die Dreifelderwirtschaft. Um dem Auslaugen des Bodens entgegenzuwirken, wurden alle drei Jahre Teilflächen der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen, man ließ sie zur Erholung brachliegen und nutzte sie nur zur Viehweide. Hinzu kam, dass vor der Industriellen Revolution praktisch die gesamte Bevölkerung landwirtschaftlich tätig war. Jeder ackerte vor sich hin und bearbeitete seine Parzellen selbständig und unabhängig. Dieses extrem kleinteilige Wirtschaften führte zu einer mosaikartigen Gestaltung der Landschaft und zu einer enormen Artenvielfalt.

Kleine Äcker in der Nachbarschaft zu Wiesen und Wäldern, Bauerngärten rund um die Häuser sowie viele Streuobstwiesen prägten das Ortsbild bis noch in die 1960er Jahre hinein. Dünger war nur so viel vorhanden wie an Tierdung in der Landwirtschaft anfiel. Weidetiere wurden über Nacht auf den Acker gebracht, damit sie den wertvollen Dünger nicht auf den Wiesen fallen ließen. Weiterhin gab es keine Pflanzenschutzmittel, Unkraut musst per Hand gejätet werden und Schädlinge wie z.B. der Kartoffelkäfer wurden von den Kindern per Hand abgelesen. Diese Bedingungen, zusammen mit der Nährstoffarmut im Boden, begünstigten eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen und parallel dazu auch an Insekten und Vögeln. Die nährstoffarmen Flächen leuchteten von dutzenden Blumenarten, die dort wuchsen. Ein Kind im Jahr 2021 kann sich keine Vorstellung davon machen, wie Wiesen früher ausgesehen haben.


Zweiter Teil: Im Zweiten Teil beleuchten wir den Niedergang der Arten mit Beginn der Industriellen Revolution.
Man geht heute davon aus, dass das Artenmaximum in Deutschland vor ca. 150 bis 200 Jahren herrschte. Die Ironie der Geschichte liegt nun darin, dass es erst mit der intensiven Landnutzung durch den Menschen zu dieser enormen Artenvielfalt kam, der wir heutzutage nachtrauern. Begriffe wie Natur- oder Artenschutz waren damals gänzlich unbekannt.

Doch wie kam es dazu, dass Arten verschwunden sind bzw. die Populationen mehr und mehr zurückgehen? Der Wendepunkt kam mit der Industriellen Revolution. Der Rückgang der Arten und Populationen begann zu Beginn schleichend, fast unmerklich. Die Menschen fanden ihr Hauptauskommen immer häufiger in der Industrie und auch im Dienstleistungsgewerbe. Allerdings besaß noch fast jeder zumindest einen Garten - auch in der Stadt - bzw. betrieb im Nebenerwerb noch eine kleine Landwirtschaft. Letztendlich waren es die EU-Agrarpolitik, der vermehrte Einsatz von Kunstdünger sowie der Import von Tierfuttermitteln in Kombination mit der aufkommenden Globalisierung, was dieser Artenvielfaltidylle mittelfristig ein Ende bereitete.

Die EU setzte auf eine effiziente Landwirtschaft mit maschinell zu bearbeitenden Flächen. Flurbereinigungen legten Grundstücke zusammen, die Landwirtschaft war gezwungen sich anzupassen, d.h. zu wachsen. Kleinbäuerliche Strukturen, die letztendlich förderlich für die Artenvielfalt waren, wurden aufgegeben, da sie sich nicht mehr lohnten. Die Landschaft wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts radikal umgebaut und auf Produktivität getrimmt.

Eine der schwärzesten Stunden der EU war hier, als diese bis Mitte der 1970er Jahre Rodungsprämien für Streuobstwiesen auslobte, da sich diese unter den ökonomischen Gegebenheiten nicht mehr rentabel bewirtschaften ließen. Mit der Erfindung des Kunstdüngers durch Justus von Liebig bzw. die industrielle Herstellung desselben mittels des Haber-Bosch-Verfahrens Anfang des 20. Jahrhunderts wurde eine neue Ära der Landwirtschaft eingeleitet. (Brach-)Flächen, die zuvor nicht zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt wurden, konnten nun mittels entsprechender Düngung in den landwirtschaftlichen Produktionsprozess überführt werden. Ein Segen für die Menschheit, der Startschuss für den Rückgang der Arten. Gedüngte und erst recht überdüngte Wiesen sind artenarm. Pflanzen, welche Stickstoff und Phosphat bevorzugen, werden nämlich gefördert, alle anderen Arten zurückgedrängt. Was bleibt sind Fettwiesen, die drei- bis viermal im Jahr gemäht werden können. Blühende Pflanzen gibt es nur noch wenige.

Einen großen Anteil an der Überdüngung haben auch die Industrieabgase, welche zum großen Teil aus Stickstoff bzw. Nitratverbindungen bestehen. Hinzu kam der Import von Tierfutter, der es erstmals ermöglichte, dass Landwirte viel mehr Tiere halten konnten, als die Fläche ihres Landes eigentlich versorgen kann. Die Folge davon war und ist eine Gülleflut, die auf den begrenzten landwirtschaftlichen Flächen nicht mehr sinnvoll untergebracht werden kann. Ihrer eigentlichen Funktion als Dünger beraubt, werden die tierischen Exkremente heutzutage oft nur noch auf den Feldern verklappt. Zu viele Nährstoffe gelangen in den Boden, ohne dass sie umgesetzt werden können. Ausschwemmungen in die Gewässer, die zu Algenblüten führen, und Nitratanreicherungen im Trinkwasser sind die Folge.

Schlussendlich war es dann die Globalisierung bzw. die permanente Verfügbarkeit von hochwertigen Lebensmitteln zu allen Jahreszeiten aus allen Teilen der Welt, welche die letzten Reste der Kleinbäuerlichen Strukturen hinwegfegten. Ein eigener Garten zur Gemüse- und Obstversorgung lohnte sich nicht mehr, also wurde er aufgegeben. Die ortsprägenden Streuobstwiesen fielen der Bauwut der letzten Jahrzehnte zum Opfer. Das Obst, welches sie erzeugten, fand keine Abnehmer mehr, da Plantagenobst günstig und optisch ansprechender war. Bekam man nach der Währungsunion noch 20 bis 25 Mark für einen Zentner Äpfel (das war damals mehr als der Tagesverdienst eines Maurers!), so ist es heutzutage weniger als 1/20tel des damaligen Preises.
Der Satz „Früher war alles besser“ trifft wohl nirgendwo so zu, wie im Falle der Artenvielfalt. Allerdings ist ein Zurück zu den alten Kleinbäuerlichen Strukturen nicht möglich.

Die Situation in Deutschland ist derzeit die, das ca. 15 % der Landesfläche den Natura 2000-Schutzgebietsstatus haben, das ist mehr als die Gesamtfläche Hessens. Dies ist eine riesige Fläche, auf der die Natur einen besonderen Schutzstatus genießt. Natura 2000 umfasst hier die Fauna Flora Habitat (FFH)-Gebiete und die Vogelschutzgebiete. FFH-Gebieten fällt dabei die Aufgabe zu: „wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu schützen“. D.h. die Voraussetzungen und der politische bzw. gesellschaftliche Wille, etwas für den Artenschutz zu tun, sind also gegeben. Doch warum gibt es trotz dieser Anstrengungen und Gesetze praktisch keinerlei Entspannung beim Artenschutz? Habitate, das heißt Lebensräume, verschwinden immer schneller, obwohl sie doch unter Schutz stehen? Wieso haben wir 75 % der Insektenmasse in den letzten 25 Jahren selbst in den geschützten Gebieten verloren? Die Antwort erfolgt im dritten Teil der Serie.


Dritter Teil: Artenschwund trotz enormer Schutzbemühungen oder warum verschwinden mehr und mehr Arten, wenn doch derzeit so viel wie nie zuvor für deren Schutz unternommen wird?
Die Antwort ist nicht einfach, doch ist es offensichtlich, dass die Naturschutzverordnungen komplett am eigentlichen Ziel vorbeigehen. Die Hauptverursacher des Artenschwundes werden ausgeklammert. So ist es z.B. bei Strafe verboten, Wildblumen zu pflücken oder einen Frosch zu fangen, um einem Kind zu zeigen, wie sich so etwas anfühlt. Den Menschen wird mittels unseres Bundesnaturschutzgesetzes die Möglichkeit genommen, Natur im wahrsten Sinne des Wortes zu „begreifen“. Der Fehler ist, dass zwar die einzelnen Tiere geschützt werden, aber nicht ihre Lebensräume. Wie zu Beginn erläutert, sind fast alle diese wertvollen Lebensräume durch den Menschen entstanden bzw. durch den dauerhaften menschlichen Einfluss in einen Zustand versetzt worden, der die große Artenvielfalt erst ermöglicht hat. Überlässt man diese jetzt sich selbst, also der Natur, dann gehen sie innerhalb weniger Jahre verloren.

Eine der Hauptursachen des Artenschwundes ist nämlich die natürliche Sukzession d.h. die Natur holt sich mittel- und langfristig das zurück, was ihr der Mensch in der Vergangenheit genommen hat. Zum großen Schaden für die Artenvielfalt. Ein Beispiel sind z.B. die Weinbauterrassen am Mittelrhein oder der Mosel. Der Weinbau hielt die Täler offen. Es gab kaum Bewuchs, dafür viele Trockenmauern und unendlich viele wärmeliebende Pflanzen- und Insektenarten, die am Anfang der Nahrungskette für Reptilien und Vögel stehen. Diese Terrassen wachsen jetzt zu und von Artenvielfalt kann keine Rede mehr sein. Auch bei uns erleben wir diese natürliche Sukzession. Es sind hauptsächlich unsere Wiesen, die nur noch da gepflegt werden, wo man sie mit großen Maschinen bearbeiten kann. Steilere Stücke, Hanglagen und sogar ganze Wiesengrundstücke fallen der Verbuschung anheim. Ohne regelmäßige Mahd wachsen als erstes Brombeerhecken, Knöterich und Springkraut, aber auch Waldbäume wie Eichen, Ahorn und Fichten fassen schnell auf den Freiflächen Fuß.

Dies ist ein schleichender Prozess und Veränderung der Landschaft erkennt man erst dann deutlich, wenn man sich Filmaufnahmen oder Fotografien aus den letzten Jahrzehnten anschaut. Bei uns im Odenwald wachsen ganze Täler einfach zu. Haben sich die Bäume erst einmal etabliert, muss man sie aufwändig entfernen und viel schlimmer noch, meist steht der Naturschutz solchen Pflegeaktionen auch noch entgegen. Geradezu grotesk muten hier Aktionen von Kommunen an, welche die letzten Freiflächen aus Klimaschutzgründen auch noch mit Bäumen bepflanzen. Was in manchen Gegenden durchaus Sinn ergibt, ist z.B. bei uns eine Katastrophe für die Artenvielfalt. Der Wald breitet sich bei uns nämlich ohne unser Zutun aus. Im Gegenteil, er müsste eigentlich aus Artenschutzgründen zurückgedrängt werden. Deshalb sind Sturm- oder Borkenkäferschäden im Wald für unzählige Arten ein wahrer Segen. Auf den neu entstandenen Freiflächen pulsiert alsbald das Leben. Zumindest solange, bis der Wald wieder die Oberhand gewinnt, und das wird er im Laufe der Jahre mit Sicherheit tun. Wir sehen also, dass Naturschutz und Artenschutz zwei vollständig verschiedene Dinge sind und sich meist sogar gegenseitig ausschließen.


Vierter Teil: Welchen Beitrag leistet der Klimaschutz zum Artenschutz?
Doch wie sieht es nun mit dem über allem schwebenden Ziel des Klimaschutzes aus? Überall hört man Sätze wie: „Klimaschutz ist Artenschutz“, „Ohne Klimaschutz wird es zu einem großen Artensterben bei uns kommen“, oder „Klimaschutz ist aktiver Naturschutz“. Zu allererst ist festzuhalten, dass bei uns mehr Arten vom wärmeren Klima profitieren als umgekehrt. Z.B. haben freibrütende Vögel deutlich höhere Bruterfolge in warmen und trockenen Sommern, als in kalten und nassen. Auch profitieren viele Insektenarten wie die Europäische Gottesanbeterin, die Blaue Holzbiene, die Wespenspinne und die Blauflügelige Ödlandschrecke vom wärmeren Klima. Alle diese Insekten kommen mittlerweile auch bei uns vor. Mehr und mehr Arten wandern zusätzlich von Sünden her ein, während sich kälteliebende Arten in höhere Regionen zurückziehen bzw. nach Norden ausweichen.

Die Klimaschutzmaßnahmen die derzeit vorangetrieben werden sind unter anderem: Die Dämmung von Gebäuden, der Anbau von Energiepflanzen, der Ausbau von Solar- und Windenergie sowie die Verbrennung von Biomasse bzw. Holz. Dafür wurden in den letzten zwei Jahrzehnten deutschlandweit mehrere 100 Milliarden Euro ausgegeben, doch leider kaum ein messbarer positiver Klimaschutzeffekt erreicht. Für den Artenschutz jedoch, brachten sie enorme Kollateralschäden mit sich. So haben die jahrzehntelangen Bemühungen unsere Häuser wind- und luftdicht einzupacken den Lebensraum Haus – ja, den gibt es tatsächlich – für viele darauf angewiesene Tierarten unbewohnbar gemacht. Fledermäuse finden kaum noch Sommerquartiere und Vögeln wie dem Mauersegler und unseren Hausspatzen wird es unmöglich gemacht in und an solchen Gebäuden zu brüten. Geradezu katastrophal auf die Tierwelt wirken sich die Mais- und Rapsmonokulturen aus, die speziell zur ökologischen Energiegewinnung angelegt werden.

Etwa 20% der gesamten Ackerfläche Deutschlands wird inzwischen zur Energiegewinnung genutzt. Auf diesen Flächen wächst immer nur eine (Energie) Pflanze, alles andere wird weg- und totgespritzt. Auch die Windkraft fordert ihren Blutzoll in der Tierwelt. Alleine für Baden-Württemberg sind in den nächsten Jahren bis zu 2000 Windräder in Wäldern geplant. Manch Grüner Politiker sieht sogar ein Potential von bis zu 20.000 (!) Windindustrieanlagen in Baden-Württemberg. Unsre Heimat würde damit zu einem Industriegebiet umgewandelt werden, mit dramatischen Folgen für Mensch und Tierwelt. Der Lebensraum vieler geschützter Tierarten wie Schwarzstorch, Greifvögel und vieler Fledermausarten verwandelt sich großflächig in eine Industrielandschaft, in dem diese Arten auf Dauer nicht überleben können. Fotovoltaik Anlagen werden zunehmen auch auf Freiflächen gebaut. Ausgewählt werden vermeintlich minderwertige Flächen wie Ruderalflächen (Rohbodenflächen/Kultur- und Industriebrachen), ehemalige Mülldeponien oder auch Schwermetallrasen (meist entstanden aus dem Abraum des Bergbaus). Für den Laien ist es erst einmal unverständlich, dass gerade diese Habitate durchaus schützenswert sind. Doch gerade hier siedeln sich Arten an, die andernorts schon ausgestorben sind.

Schlussendlich wird immer mehr Holz im Namen des Klimaschutzes verbrannt. Wohlwissend, dass das Verbrennen von Holz mehr CO2 frei setzt als selbst die Verbrennung von Braunkohle und es Jahrzehnte dauert, bis nachwachsende Bäume das wieder ausgeglichen haben.

Derzeit explodiert der weltweite Handel mit Holzpellets mit fatalen Folgen für die Waldgebiete Osteuropas, Nordamerikas und auch der Tropen. Weltweit werden Urwälder kahl geschlagen um in umgerüsteten Steinkohlekraftwerken „klimaneutral“ verbrannt zu werden. Somit ist klar, dass Klimaschutz wie wir ihn betreiben niemals Artenschutz bedeuten kann, sondern Arten eher vernichtet, als sie schützt. Die positiven Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen auf den Artenschutz sind daher ein Mythos, der landauf und landab immer wieder – hauptsächlich von Profiteuren dieser Klimaschutzmaßnahmen - verbreitet wird.

Siehe dazu auch:

TAZ-Artenschutz und Klimakrise: Die Natur der Grünen

TAZ-Kritik an Dänemarks Klimapolitik: Holz, das den Wald zerstört

TAZ-Die Kraft der Zerstörung

Spektrum - Wie Holzpellets die Wälder ruinieren

Welt - Die naive Sorglosigkeit der Holzpellets-Heizer

Deutschlandfunk: Holzpellets - Klimapolitischer Holzweg?

RobinWood - Desaster fürs Klima

Kalte Sonne - Die Mär von einer klimaneutralen Pelletheizung

Business Insider - Aufruf von mehr als 500 Wissenschaftlern: Verbrennt kein Holz

Naturwald Akademie: Ist Holz die neue Braunkohle?

Klimareporter- Deutschland rodet in Rümänien mit

Klimareporter-Pellets mit schmutzigem Geheimnis

Zeit - Ab durch den Kamin

Epple-Das Programm von Bündnis90/Die Grünen: Waldvernichtung durch Windkraft

SZ-Holz statt Öl

Tagesanzeiger - Heizen mit Holz - eine dumme Idee

Zeit-Wälder, verheizt im Namen des Klimas

Novo-Warum Erneuerbare Energien das Klima nicht retten

Spektrum - Windenergie -Streitfall Rotmilan

Nabu - Negativer Zusammenhang zwischen WKA-Dichte und Bestandstrends

Stern - So haben Windkraftanlagen in Indien die Raubvögel dezimiert

Welt - Mehr Rotmilane durch Windkraftanlagen getötet als bekannt

Das Erste - [W] wie Wissen. Wie gefährlich sind Windkraftanlagen für Vögel und Fledermäuse?

 
Johannes Fink für LeO e.V.


 

Aktuelle Bilder zum Thema Blühwiese finden Sie

hier  (02.06.2020) Blühwiese Nr .1 / hier  (10.05.2020) Blühwiese Nr .3

 

 

Die ersten Bienen sind in die Waben unserer "Paten" eingezogen.

 

13.04.2020


Download
Klima und Wald – eine aktuelle Betrachtung (eine etwas umfangreichere, aber sehr interessante Broschüre)
Klima-und-Wald.pdf
Adobe Acrobat Dokument 4.5 MB

Geplante Aktivitäten für 2021

Fortsetzung und Intensivierung der

  • Kooperation mit dem "Netzwerk blühende Landschaften" (weitere Flächen für Blühwiesen)
  • Zusammenarbeit mit Vereinen und Bürgerinitiativen mit ähnlichen Zielen
  • Öffentlichkeitsarbeit (Veröffentlichungen und Infostände)
  •  Zusammenarbeit mit politischen Parteien und Institutionen
  • Aktiver Artenschutz

 

 

Fortführung regelmäßiger Infoveranstaltungen zum Thema:

  • Sachstand und Entwicklung Windindustrie
  • Alternativen zur Unterstützung des Klimaschutzes

 

 

Projekte:

  • Infotafel an verschiedenen Standorten
  • Aktiver Artenschutz
    • Maßnahmen zum Insekten- und Vogelschutz
    • Kartierung und Dokumentation von Vorkommen schützenswerter Arten
  • Geführte Themenwanderungen
  • Heranführung von Kindern an das Thema Natur- und Artenschutz
    • Bau von Nistkästen
    • Basteln von Vogelfutterglocken (Weihnachtsmarkt)

 

 

Die Infotafel des Vereins Lebenswerter Odenwald Heiligkreuzsteinach e.V.  wurde von der Bevölkerung angenommen. Es wird regelmäßig besucht, Informationen gelesen und es gab auch bereits die ersten Aufnahmeanträge durch die angebrachten Flyer.



Wer macht mit?

Wir werden auch in 2021 die Kooperation mit dem „Netzwerk Blühende Landschaft“ weiterführen.

3 wunderschöne Blühwiesen haben wir in Eiterbach und Vorderheubach in 2018 angelegt. Wir freuten uns über viele Blumen und zahlreiche Insekten.

Wir suchen nun weitere Mitstreiter für dieses tolle Projekt.

Wer möchte die Natur unterstützen und stellt eine Fläche zur Aussaat von insektenfreundlichen Blühwiesen zur Verfügung? Es genügt bereits eine Fläche ab ca. 10 m².

Der Samen wird gestellt, die Fläche muss selbst vorbereitet werden. LeO e.V. ist der Koordinator des Projekts und beantwortet gerne alle Fragen.Wir würden uns sehr über weitere Teilnehmer freuen.

 

Bitte meldet euch bei:   Lebenswerter-Odenwald@posteo.de

 

Herzliche Grüße

 

Der Vorstand

 


Neues vom Schwarzstorch

 

 

Inzwischen sind auch die Schwarzstörche zurückgekehrt und wurden rund um das Steinach- und Ulfenbachtal gesehen. Bitte melden Sie uns dringend Schwarzstorchsichtungen unter Angabe der Temperatur, des Wetters, der Flugroute und falls möglich mit einem Foto, an 

=>  lebenswerter-odenwald@posteo.de

 

Vielen Dank


 

Bitte unterstützen Sie uns durch Ihre Mitarbeit oder Spenden auf das Konto:

Lebenswerter Odenwald Heiligkreuzsteinach e.V.

Volksbank Kurpfalz eG, Heidelberg

 

BIC: GENODE61WNM

 

IBAN: DE67 6709 2300 0033 3047 22