Waschbären – Akrobaten in der Nacht

 

Diese nacht- und dämmerungsaktiven Kleinbären haben sich erst im letzten Jahrhundert durch Ausbrüche aus Pelztierfarmen und Auswilderungen bei uns in Deutschland rasant verbreitet. Ursprünglich stammen sie aus Nordamerika. Durch ihre schwarze Gesichtsmaske, die sich von der ansonsten weißen Gesichtsfärbung abhebt, ist das katzengroße Tier gut zu erkennen. Der Schwanz ist schwarz-braun geringelt. Der Kleinbär wiegt etwa 5-10 kg und hat kurze, bekrallte Beine. Er ist kein schneller Läufer und kann nicht weit springen, doch dafür ist er ein sehr begabter Kletterer. Selbst glatte Fallrohre und Hausfassaden erklimmt er gekonnt. Außer zum Klettern nutzt der Waschbär seine Vorderpfoten zum Tasten. Häufig kann er dabei beobachtet werden, wie er im Wasser sitzt und mit den Vorderpfötchen „etwas wäscht“. Daher stammt sein Name. Doch in Wirklichkeit tastet er schlammige Untergründe nach Amphibien ab und versucht auch Fische zu fangen. Außer über seinen guten Tastsinn verfügt der Kleinbär auch über einen gut ausgebildeten Geruchs- und Gehörsinn. Er scheut auch nicht davor zurück, Katzenklappen zu öffnen und in Häuser einzudringen. Hat er solche ergiebigen Futterstellen entdeckt, so hilft ihm sein ausgesprochen gutes Gedächtnis, diese wiederzufinden. Häufig sind sie zu zweit unterwegs und unterstützen sich gegenseitig. Sie wurden schon dabei gefilmt, wie ein Waschbär auf einem dünnen Ast sitzt und eine Futtersäule für Vögel nach unten drückt, so dass der andere von unten besser an das Futter kam. Weder Weintrauben noch anderes Obst sind vor Ihnen sicher. Waschbären sind Allesfresser. Im Frühjahr liegt ihr Fokus eher auf tierischer Kost wie z.B. auf Regenwürmern, Mäusen, kleine Vögeln, Insekten und Schnecken. Sie werden in freier Wildbahn ca. 8-10 Jahre alt. Da sie in Deutschland wenig natürliche Feinde haben, vermehren sie sich rasant. Bei der Suche nach Schlafplätzen sind sie auch äußerst kreativ. Bevorzugt schlafen sie tagsüber in Baumhöhlen oder auch in ehemaligen Dachsbauten. Gerne ziehen sie auch in Menschennähe und quartieren sich in Scheuen, auf Dachböden und auch in Schornsteinen ein. Ihre Schlafplätze wechseln sie fast täglich. Mitte April bringt die Fähe 2-5 Junge zur Welt. Nach ca. 4-6 Wochen verlassen die kleinen Bären zum ersten Mal das Nest und erkunden die Umgebung. Im Herbst verlassen die jungen Rüden die Gruppe, um Inzucht zu vermeiden. Untersuchungen haben ergeben, dass Bemühungen die Waschbärenzahl durch Bejagung oder andere Mittel einzudämmen kaum möglich sind, da die Tiere ihre Geburtenrate dementsprechend erhöhen.