Anmerkungen zum Thema Heizungsaustausch

 

 

Wohl noch nie war die Entscheidung für eine neue Heizungsanlage so schwer wie in dieser Zeit. Haushalte, die ihre Heizung erneuern wollen, sind dieser Tage wahrlich nicht zu beneiden. Selbstverständlich soll sie klimafreundlich sein, günstig im Unterhalt und auch zukunftsfähig, da es sich ja um eine Investition für Jahrzehnte handelt. Die dominierende Heizungsform auf dem Land ist derzeit die Ölheizung, die deutschlandweit ca. fünf Millionen Haushalte oder 20 Millionen Menschen zuverlässig mit Wärme versorgt. Manch einer heizt auch noch ganz klassisch mit Scheitholz, und vermehrt sieht man auch Flüssiggastanks in den Gärten stehen. Politisch gefördert und mit bis zu 45 % Steuergeld subventioniert, soll nun die Holzpelletheizung die fossilen Heizformen Öl und Gas mittelfristig ablösen. Dazu muss man wissen, dass „ältere“ Gebäude (15 Jahre und mehr) mit normalen Heizkörpern, also ohne Fußbodenheizung,  nicht geeignet sind, um mit modernen Wärmepumpen beheizt zu werden. Der Energieaufwand, um die notwendigen Temperaturen für die Radiatoren zu erreichen, ist mit Strom nicht wirtschaftlich vertretbar bzw. ineffizient und teuer. Bei Neugebäuden sieht das jedoch komplett anders aus. Diese benötigen z.B. wegen der besseren Dämmung nur einen Bruchteil der Wärmeleistung wie Altgebäude. Heizen mit Strom ist hier eine Alternative. Die große Masse der Häuser wird jedoch durch den Altgebäudebestand repräsentiert. Wer nicht gleich zehntausende an Euros in Dämm- und sonstige Sanierungsmaßnahmen stecken will und kann, der muss sich auf dem Land für eine der drei Heizformen Öl, Gas oder Holz(pellets) entscheiden (evtl. kombiniert mit Fotovoltaik, Wärmepumpe für das Brauchwasser oder Solarthermie). Holzverbrennung wird wie beschrieben gefördert und ist per politischem Beschluss als klimaneutrales Heizen definiert. Tatsächlich ist die Holzverbrennung jedoch alles andere als klimaneutral. Wenn ein Baum verbrannt wird, dann wird sofort das CO2 freigesetzt, welches über Jahrzehnte gespeichert wurde. Es entsteht bei gleicher Heizleistung mehr CO2, als sogar bei der Verbrennung von Braunkohle. Es dauert Jahre bzw. Jahrzehnte bis ein nachwachsender Baum diesen Nachteil gegenüber der Kohle ausgeglichen hat. Von anderen schädlichen Verbrennungsprodukten wie Feinstaub und Kohlenmonoxid mal abgesehen. Auch das oftmals angeführte Argument, dass in Deutschland nur Holzpellets aus Sägeabfallprodukten hergestellt würden und man damit klimaneutral eine Million Heizungen betreiben könnte, ist irreführend. Säge-„abfall“ gab es in dem Sinne nie. Schon immer wurden Sägenebenprodukte – so der korrekte Name - in der Möbelindustrie, der Papierherstellung, der Landwirtschaft oder der Dämmstoffindustrie verwendet oder schon immer zum Heizen verbrannt. Die industrielle Produktion von Holzpellets entzieht nun diesen Nachfragern den Rohstoff, so dass sie sich aus anderen Quellen bedienen müssen. Die weltweite Nachfrage nach Holz explodiert derzeit. In anderen Teilen der Welt werden Wälder kahl geschlagen, um „klimaneutral“ in umgerüsteten Steinkohlekraftwerken verheizt zu werden. Auch wenn man Pellets aus Deutschland bezieht, ist man Teil des globalen Holzmarktes und heizt zumindest indirekt die Nachfrage nach Holz weiter an. Solange Pelletheizungen ein Nischenprodukt waren, fiel das zwar nicht weiter ins Gewicht, der Boom rund um die steuerlich geförderte thermische Verwertung von Holz hat jedoch mittlerweile Ausmaße erreicht, die extreme Umweltbelastungen mit sich bringen. Aus diesem Grunde sind Pelletheizungen aus Umweltschutzsicht niemals per se besser als Öl- oder Gasheizungen.

 

 

Johannes Fink für LeO e.V.