Waldwende Heilig im Naturpark Odenwald

Bundesweit machen sich Menschen für eine Waldwende stark. So sind wir hier bei uns auf verschiedene Aktionsbündnisse zur Waldwende aufmerksam geworden. Sie engagieren sich für eine verantwortungsvolle und zukunftsfähige Waldbehandlung im kleinen Odenwald rund um Neckargemünd und Heidelberg, in Nussloch und Hemsbach, Mannheim und im Lautertal unter vielen anderen, wie gesagt, bundesweit. Sie erachten ökologische, klimabezogene und den Artenschutz integrierende Ziele als prioritär in der Waldbewirtschaftung. Wald als funktionsfähiger, ökologischer Organismus um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, Biodiversität zu erhalten und Trinkwasserverfügbarkeit zu sichern. Wir stehen seit August 2022 mit den Aktiven der Waldwende Bewegung in Verbindung und im Austausch. Die Gedanken zur naturnahen Waldwirtschaft vertreten wir schon seit bestehen des Vereins. Sie standen nur nicht so massiv im Vordergrund. Das ändert sich jetzt!!!  >>>>>>>>

Termin: Am Samstag, den 22. April 2023 kommt Lutz Fähser zur Waldwanderung und zum Vortrag nach Heiligkreuzsteinach in den Wald und den Bürgersaal.

Der genaue Zeitplan folgt. Herr Fähser wird auch noch weitere Vorträge und Treffen im Waldwendekreis haben...


Mit Lutz Fähser unterwegs im Wald bei Neckargemünd im Okt. 2022

Das Rad muss nicht neu erfunden werden. Es gibt ein handfestes Konzept für die naturnahe Waldwirtschaft. Hier schafft Ökologie die Ökonomie!

Am Freitag, den 14. Oktober 2022 hatte die Waldwende Neckargemünd zu einer Waldbegehung mit Dr. Lutz Fähser eingeladen. Daran anschließend gab es im Bildungswerk des SRH, noch eine Präsentation des Lübecker Konzepts zur naturnahen Waldwirtschaft, mit anschließender Diskussion an.

Dr. Lutz Fähser, Jahrgang 44, ist Diplom-Forstwirt und Leitender Forstdirektor i.R. Er war Leiter von Forstämtern im Staats-, Kommunal- und Privatbesitz. Zudem war er langjähriger Lehrbeauftragter an der Universität Kiel. Zuletzt war er Leiter des naturnah bewirtschafteten Stadtwaldes von Lübeck. Das Lübecker Konzept hat er maßgeblich mitgestaltet. Dieses Waldbewirtschaftungskonzept dient heute vielfach als Referenz für neue Projekte der ökologischen Waldwirtschaft. Auf dieser Grundlage hat Dr. Fähser die Naturland-Zertifizierung für ökologische Waldbewirtschaftung mitentwickelt.

Die Nutzung von Wäldern bedeutet Nutzung in der Natur, also Urproduktion. Daher muss das Waldkonzept vorrangig die ökologischen Bedingungen beachten, den sogenannten Prozessschutz! Ökologisch Ausgewogenheit und Gesundheit ist die Voraussetzung für ökonomisch positive Ergebnisse und die Erfüllung sozialer und kultureller Anforderungen an die Wälder. Hier entsteht Nachhaltigkeit. Das Waldkonzept basiert auf dem Minimumprinzip: Möglichst wenig eingreifen und sich an den natürlich ablaufenden Prozessen zu orientieren. Um dies zu erreichen wird auf folgende Dinge verzichtet:

Kahlschläge, Monokulturen, Ansiedlung nicht heimischer Baumarten, Gifte, Düngung, Bearbeiten oder Verdichten des Mineralbodens, Flächiges Abräumen oder Verbrennen von Biomasse, Entwässern von Feuchtgebieten, Störende Arbeiten während ökologisch sensibler Jahreszeiten, Füttern von Wildtieren, Einsatz ungeeigneter Erntemaschinen.

Wert wird auf die Bewirtschaftung einer natürlichen Waldgesellschaft gelegt, auf Baumarten, die sich von Natur aus durch natürliche Wiederansamung durchgesetzt hätten. Biotopbäume, Starkbäume und Totholz sollen mindestens 10 Prozent der oberirdischen Baummasse ausmachen.

Die Pflege nach dem Minimumprinzip soll die Lebens- und Reproduktionsfähigkeit des Ökosystems Wald fördern. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach der erreichten Produktreife. Diese bemisst sich nach den definierten Zieldurchmessern der Stämme in Brusthöhe. Hohe Zieldurchmesser bedeuten hohe ökologische, ökonomische und ästhetische Wertigkeit der Bäume. Es wird auf Naturverjüngung gesetzt um der Erneuerung mit standortheimischen Baumarten Raum zu geben. Die Wilddichte wird mit effektiven Jagdverfahren auf die ökologische Tragfähigkeit der Wälder abgestimmt. Spezielle entwickelte Waldmaschinen und der Einsatz von Rückepferden, als Hilfe bei der Holzernte, sorgen für eine Minimierung der Bodenverdichtung.

Die höchste biologische Produktivität besitzen natürliche Waldgesellschaften. Deshalb haben naturnahe Wirtschaftswälder, die mit möglichst wenig störenden Eingriffen gesteuert werden, die höchste ökonomische Ertragsfähigkeit. Ökologie sichert Ökonomie! Das gilt besonders in Zeiten des Klimawandels, weil sich naturnahe Ökosysteme daran besser anpassen können als naturferne Kulturforsten. Solche Wälder entwickeln ein hohes Potential zur Anpassung an Veränderungen und als Senke für das Klimagas CO2.

Die Waldbegehung führte auf ein Gebiet in dem ein Buchenkahlschlag geplant ist. Die Bäume sind bereits markiert. Dr. Fähser erläuterte anschaulich, dass Trockenschäden von Buchen nicht den Dürrejahren geschuldet ist, sondern der zu lichten Stellung der Bäume. Buchen benötigen einen festen Verband mit geschlossenem Kronendach und beschattetem Waldboden. Also auf den Wald in Neckargemünd bezogen, wäre eine viel höhere Dichte an Biomasse erforderlich. Der Wald sein „magersüchtigt“ und viel zu stark auflichtet worden. Da die Begehung bei Regen stattfand, war wunderbar zu sehen, wie die mächtigen Kronen das Wasser an den Stämmen hinunter direkt zu den Wurzeln leiteten. Die immer wieder vorgetragene Meinung, nur freigestellte Buchen genügend Wasser bekämen, sei aufgrund dieser Trichterwirkung der Wasserlenkung für Buchen nicht richtig, so Dr. Lutz Fähser. Buchenwälder bleiben im Verbund erhalten. Schirmschläge lassen die Erde austrocknen und sind insbesondere jetzt, im Klimawandel, eine Bedrohung für den Wald.

(UND NECKARGEMÜND IST LEIDER ÜBERALL, WO DER PREIS FÜR BUCHENHOLZ GERADE PASSEND IST!)

Fazit: Weniger ist mehr. Ein intaktes Waldökosystem, welches sich selbst reguliert erfordert viel weniger Pflegeaufwand und muss nicht aufwendig gerettet werden. Dies wurde bereits 1992 auf der großen internationalen Umweltkonferenz von Rio de Janeiro festgeschrieben. Auch die deutsche Bundesregierung hat dort mehrere Konventionen unterschrieben und sich verpflichtet diese mit der Agenda 21 als nationale Politik umzusetzen. Vielleicht kommen wir der Sache unter dem Druck der Trockensommer endlich näher.

Waldwende-Initiativen gibt es bundesweit und flächendeckend! Renomierte Forstwissenschaftler und Experten tragen die Gedanken der naturnahen Waldwirtschaft mit. Können diese Menschen alle falsch liegen???  Nein!!!  Den Dauerwaldgedanken gibt es seid über 100 Jahren. Kann es sein, dass wieder mal die kommerzielle Zielsetzung den Rahmen vorgibt??? Höchstwahrscheinlich!!!

Borkenkäferkalamität.... und hier ist das Ergebniss

Rund um Heilig finden wir alles, was im intensiven Plantagenforst unter dem Motto: Wir gestalten Zukunft  so festzuhalten ist:


Wer sich schlau machen möchte, was in der Region zur Waldwende passiert, schaut bitte hier:

Waldvision Nussloch: https://waldvision-nussloch.de/

Waldwende Jetzt: https://www.waldwende-jetzt.de/

Waldwende Heidelberg: https://waldwende-heidelberg.de/

Aktionsbündnis Waldwende Mannheim: https://www.wald-mannheim.de/

Waldwende Neckargemünd: https://www.waldwende-neckargemuend.de/willkommen.html

Zukunftsfähiger Hemsbacher Wald. Projektgruppe in der Stadtgestalterei: https://www.hemsbach.de/unsere-stadt/stadtgestalterei-isek/467-stadtgestalterei-projektgruppe/2323-zukunftsfaehiger-hemsbacher-wald

BUND Seeheim-Jugenheim, Waldwende statt Waldende: https://www.bund-seeheim-jugenheim.de/

Auf all diesen aufwendig gestalteten Seiten finden sie umfangreiche Informationen dazu, warum spätestens jetzt die Zeit ist, sich im Wald auf das zu besinnen, was schon 1992 auf der internationalen Umweltkonferenz von Rio festgeschrieben wurde.

Und dabei ist es nicht unser Anliegen mit der Forstwirtschaft zu streiten, sondern gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Der öffentliche Wald ist Bürgerwald. Er erfüllt für die Bevölkerung eine Vielfalt von Funktionen und daher ist es unsere Verantwortung diese Funktionstüchtigkeit zu erhalten. Bezahlen wir doch mit unseren Steuergeldern die Waldwirtschaft, wenn der Gewinn aus dem Holzeinschlag sich in roten Zahlen bewegt.

Bilder die für sich sprechen: Naturbelassener Waldweg, gemischte Naturverjüngung nach Sturmkalamität, richtig alte Esskastanie, Junge Buche in Fichtenkultur, Wilde Platterbse im Dürresommer...............

Jetzt ist die Zeit reif, tief Luft zu holen, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam gute Wege zu finden. Für einen lebendigen Waldorganismus bei ökologisch/ökonomisch sinnvoller Beförsterung!


Angefügt ein paar Lichtblicke, eigentlich geht es doch:

Odenwälder Zeitung vom 23. Dez. 2022

Wenn sogar die Landeshauptstadt darüber nachdenkt, kann der Weg so falsch nicht sein.....